Zum wahren Ich zurückkehren. Tag 88 von 90

„Maybe the journey isn’t so much about becoming anything. Maybe it is about unbecoming everything that isn’t you so you can be who you were meant to be in the first place.“

Tag 88 von 90. Ganz sicher bin ich mir nicht, aber ich glaube diesen wunderschönen Spruch habe ich in einem der Bücher von Brené Brown gelesen. Gestern kamen meine Gedanken dazu hoch. Authentisch zu sein, bedeutet nicht, dass ich sage, „so bin ich“ und dann bleibe ich immer so. Authentizität hat auch viel damit zu sein, immer wieder neue Seiten an sich selbst zu entdecken, sich auch mal zu wandeln oder Raum für Seiten zu schaffen, die man vielleicht verdrängt hat. Authentisch sein macht glücklich, denn du bist einfach du. Ohne zu urteilen. Du bist du, lässt deinen Facetten freien Raum und versteckst diese nicht hinter einer „ich bin so perfekt und muss alles perfekt machen“-Fassade (und das tun wir doch auch sehr gerne, ich spreche aus Erfahrung).

Wir haben oft Angst uns verletzlich und authentisch zu zeigen, weil wir tief im unseren Inneren zugehörig sein wollen. Wir sind Menschen. Wir sind soziale Wesen. Wir sehnen uns nach Zugehörigkeit und tiefer Verbindung. Und doch scheitert es oft an einer wichtigen Verbindung: Die tiefe Verbindung zu uns selbst, zu unserem Inneren. Es ist schrecklich ermüdend, wenn wir ständig gegen uns selbst ankämpfen und nicht so sind, wer wir wirklich sind.

Wir haben Angst unsere wahren Facetten zu zeigen.

„Was werden die anderen denken?“
„Bin ich gut genug, wenn ich das mache?“
„Bin ich nicht gut genug, wenn ich das nicht mehr mache?“
„Werde ich akzeptiert?“
„Was, wenn ich nicht akzeptiert werde?“

Vor 10 Jahren kam ich mit dem Mentalen Training und der Persönlichkeitsentwicklung in Kontakt. Ich finde es immer noch grandios. Es macht Sinn an seinen Schwächen zu arbeiten, es macht Sinn sich Ziele zu stecken und auch an der inneren Sprache zu arbeiten, damit man sich nicht selbst einredet, man sei ein Vollidiot, der nichts auf die Reihe bekommt.

Wundervoll finde ich aber vor allem auch die Erkenntnisse, die man über sich selbst gewinnt. Meine eigene Reise war wild. Manchmal ein Chaos. Manchmal eine Achterbahnfahrt. Alles in allem ein Abenteuer. Wenn ich jetzt eine der wichtigsten Erkenntnisse der letzten Jahre finden müsste und sie in zwei Sätzen zusammenfassen müsste, wäre es vermutlich dieser hier:

„Wahre Zugehörigkeit erfordert nicht, dass du dich veränderst. Wahre Zugehörigkeit erfordert, dass du so bist, wie du bist und dein wahres Ich zum Vorschein lässt.“

Ich habe mich über die Jahre auch immer wieder gewandelt. Ich wandle mich wieder. Das macht mich verletzlich. Weil ich zwar meinem Bauchgefühl vertraue und neugierig bin, aber selbst nicht zu 100 Prozent weiß, wo mich diese Neugierde hinbringen wird. Neugierde ist ein Zeichen der Bereitschaft für Verletzlichkeit und Mut. Forscher zeigen, dass Neugierde mit Kreativität, Intelligenz, verbessertes Lernen, lösungsorientieres Denken und Gedächtnisleistung korreliert. Eine Studie von 2014 beschreibt, wie sich die Chemie im Hirn verändert, wenn wir neugierig werden und dadurch Informationen besser aufnehmen können. Aber neugierig sein, kann auch ungemütlich sein, denn es bedeutet auch, dass du verletzlich bist und das Ergebnis nicht kontrollieren kannst.

Doch wie oben schon geschrieben, so hilft uns unsere Neugierde. Anstatt zu sagen, „Ich weiß nicht, wie das enden wird. Das macht mich unsicher. Ich habe Angst vor dem Ergebnis, was wird wohl passieren? Das kann nicht nicht kontrollieren, ich lasse es bleiben.“

Sag dir lieber, „Ok, kein Problem. Das wird jetzt ein Abenteuer. Ich bin offen, wo auch immer mich das jetzt hinbringen wird. Ich muss nicht sofort alle Antworten parat haben, ich muss nicht alles kontrollieren. Ich kann einfach mal vertrauen, Fragen stellen, neugierig sein und schauen, was passiert.“

Und damit nähern wir uns dem Ende von diesem Artikel und kehren zum Intro zurück. Neugierig sein. Wer bist du eigentlich? Lass mal alle „ich soll so sein“ los (so ein ähnliches Thema hatten wir ja vor kurzem) und ändere es zu einem „so bin ich. so will ich sein. das fühlt sich gut an.“

Finde deine alten neuen Facetten.

Vertraue deinem Bauchgefühl.

Auch, wenn du unsicher bist.

Du bist du.

Und das ist gut so.