Mein erster Ironman 70.3

„Vor einer Woche habe ich einen Halbironman gemacht,“ dass ich das mal sagen würde, hätte ich wohl auch nie gedacht. Unglaublich aber war, vor kurzem bin ich über die Ziellinie des Ironman 70.3 in Slowenien gerannt. Was für ein Gefühl! 🙂

Aber ganz von Anfang.

Letzten Sommer ging es mir nicht so gut, ich hatte meine Gesundheit und mein Wohlbefinden vernachlässigt und fühlte mich gestresst, ausgebrannt und unglücklich. Ich wollte ein neues Ziel. Ich wollte wieder ein Hobby, Freizeit und vor allem wollte ich wieder disziplinierter und athletischer werden. Warum also nicht einen Halbironman machen? 😀

Mehr zur konkreten Vorbereitung erfährst du demnächst in einer der kommenden Podcast Episoden bei „Foxi Mind„. Da erzähle ich dir mehr wie es mir das Jahr über mit den Training ging und wie die Vorbereitung aussah. (Zu finden bei Spotify, Itunes & Android Apps wie Stitcher & CastBox).

Nun aber zum Wettkampf.

Samstag – der Tag vorher
Wir, Axel, meine Eltern und ich, reisten schon am Donnerstag an, um in Ruhe Zeit für alles zu haben. Ich war noch recht gelassen und unerwarteterweise noch gar nicht so nervös. Für das Training in den letzten zwei Wochen konnte ich mich allerdings nur noch sehr schwer motivieren, weil ich mich mehr als bereit fühlte und den Wettkampf bestreiten wollte. Am Samstag wurde es dann Zeit zum Einchecken, alle Sachen wurden vorbereiten, nochmal alles durchzudenken, wie das mit dem Essen funktioniert und so langsam kam dann doch die Nervosität. Ich sah mir die Bojen im Wasser an und dachte nur: „Oh Gott, ist das weit!“, denn vor dem Schwimmen fürchtete ich mich am meisten.

 

Sonntag, Tag des Rennens
Ich konnte recht gut schlafen, aß zwei Pfannkuchen mit Nutella und wir machten uns auf den Weg zur Wechselzone, um nochmal alles abzuchecken. Glücklicherweise traf ich dort auf meine Kollegen von Personal Peak, denn sonst hätte ich vergessen meine Trinkflaschen auf’s Rad zu geben. Huch, das wäre was gewesen. Danke Schörki.
Axel begleitete mich zum Schwimmstart, ich schlüpfte in den Neo und plötzlich muss es in meinen Kopf geschossen sein: „Du musst das jetzt echt machen. Jetzt wird’s ernst,“ denn ich wurde extrem nervös. Einen kurzen Moment muss ich wohl auch gedacht haben: „Schnell, hau ab. Es ist noch nicht zu spät!“

Mit Hilfe von ein paar tiefen Atemzügen und Achtsamkeitsübungen holte ich mich dann wieder runter und war ready. Der Neo war angezogen, Badehaube und Brille rauf, Axel ein Bussi geben und dann ging’s zur Startlinie. Ich wusste nicht so recht, wo ich mich einordnen sollte, dachte aber, ich stell mich lieber weiter vorne hin, denn beim Radeln holen mich alle wieder ein und ich möchte nicht als letzte ins Ziel.

Irgendwie muss ich dann sehr weit nach vorne gerutscht sein, denn viele zogen an mir vorbei, ich war nach 10 Minuten bereits verzweifelt und dachte mir: „Das hast du jetzt davon, wenn du nicht brav schwimmen trainierst.“

Nach der Hälfte dachte ich mir, dass diese Schwimmzeit nicht schnell werden kann und ich vermutlich nach 60 Minuten aus dem Wasser steigen werde. Es fühlte sich schrecklich an, ich war total unkonzentriert und mein Neo rieb meinen Nacken bereits auf.

„Vielleicht hättest doch ein bisschen öfters mit Neo schwimmen gehen sollen.“ – Das hätte wohl nicht geschadet. Ich gebe es wohl oder übel zu. Schwimmen habe ich definitiv am meisten vernachlässigt, denn es hat mir nie so richtig Spaß gemacht. Da ich früher viel geschwommen bin, wusste ich, dass ich die Distanz bewältigen kann (Achtung, ich sage, dass ich sie bewältigen kann, nicht, dass ich sie schnell bewältigen kann haha) und hab das Training dann gern mal abgekürzt, weil ich mich nach 20 Minuten immer total langweilte. Heute durfte ich die Rechnung dafür bezahlen.

Unerwartet (schnell?) stieg ich dann nach 39 Minuten aus dem Wasser (Hui, wenn ich nächstes Jahr brav schwimmen trainiere, wie es mein Trainer Philipp eigentlich sagt, dann ist da ja Potential da hihi) und machte mich auf den Weg zur Wechselzone. Was ich da gemacht habe, weiß ich allerdings auch nicht. Ganze 6 Minuten dauerte mein erster Wechsel. Ein Kaffee hätte da gut dazu gepasst. 🙂

Das Salzwasser schmeckte mehr als eklig in meinem Mund, ich trank also noch in Ruhe was, bevor ich überhaupt auf’s Rad stieg. „Gott sei Dank darfst jetzt radeln“, dachte ich mir und ich freute mich riesig, dass diese Qual des Schwimmens vorbei ist. Mein Motto lautete: „Hab Spaß und lache!“

Beim Radeln wurde mir bewusst, wie weit ich dieses Jahr gekommen war. Letztes Jahr war es anstrengend zum Kühlschrank zu gehen und nun sitze ich am Rad und habe „nur“ noch die 90km und den Halbmarathon vor mir. Jihaa! Ich versuchte den Rat meines Trainers „auf Druck, aber nicht zu schnell“ zu befolgen.

Das klappte bis km 60 auch ausgezeichnet, dann begann die erste fröhliche Qual. Ob ich zu wenig gegessen habe, zu schnell gefahren oder meine Kondition einfach nicht gut genug ist, weiß ich nicht. Ich wurde müde und die Kraft war weg.

Jetzt war der Kopf gefragt. Ich dachte nur WEPD und versuchte mich nicht auf den Schmerz zu konzentrieren, sondern mich auf anderes zu fokussieren. Eine weitere Ladestation wäre noch ganz nett gewesen, denn die Flaschen, die wir bei den Laben bekommen haben, waren immer so winzig. Das ist für Personen wie mich, die wie eine Kuh trinken, nicht so gut. Doch als ich bei anderen Athleten gesehen habe, dass sie am Anfang eine Flasche nehmen, diese austrinken und am Ende der Labe noch eine zum Mitnehmen nehmen, machte ich das auch. Genial!

Nun freute ich mich auf den Halbmarathon. 2015 bin ich mal einen Halbmarathon gelaufen und seit dem kann ich auf einer Hand abzählen, wie oft ich über 15km gelaufen bin. „Ach, das geht schon.“

Und tatsächlich. Alles fühlte sich ganz gut an. Ich musste nach dem Radeln dringend Pipi machen und war auf dem Weg zur ersten Labestation. Aus irgendeinen unerklärlichen Grund, ging ich nicht zum Dixi Klo, sondern griff automatisch zum Wasser und zum Schwamm, weil der Durst größer als der Harndrang, war. Ich lief weiter und merkte, „Hast du gerade vergessen auf’s Klo zu gehen?“

Zurück laufen war mir zu weit, also blieb mir nichts anderes übrig, als hinter den Zaun zu hüpfen und dort Pipi zu machen. Das glorreiche Leben im Triathlonsport.

Wir liefen am Meer entlang und mir kamen viele Athleten entgegen, die schon wieder am Rückweg waren. Cool, dann kann es ja gar nicht mehr so weit sein. Ich drückte ganz leicht drauf, hörte auch meinen Körper, der mir sagte, was er immer trinken und essen wollte und dachte mir: „Yes, jetzt im Gegenwind geht’s gut. Am Rückweg kannst du dann nochmal drauf drücken.“ Wenn es doch so schön gewesen wäre…

Glücklicherweise war immer wieder mein Papa neben mir, der mich an Teilen der Strecke mit dem Rad begleitete und gut zu redete. Da wurde es schon leichter.
Ab km 14 wartete ich dann auf die Wende. Bei Kilometer 16 begann die Qual. Das Wetter war bis zu dem Zeitpunkt ideal für mich. Nicht zu warm, sogar kühl, perfekt! Doch am Ende wurde es warm. Meine Beine fingen an zu schmerzen und ich wusste nicht, ob ich liegen, kriechen, weinen, gehen oder weiterlaufen soll. Alles tat gleich weh, also lief ich einfach, machte etwas länger Pause bei der Labe. Manchmal fühlte mich wie sogar noch wie eine Rakete, als ich andere, die mit schlimmeren Einbüchen kämpften, überholte. Mein Kopf pushte mich ins Ziel.

Dann war es soweit!

Nach 1,9km schwimmen, 90km radeln mit 1300 Höhenmeter und einem Halbmarathon durfte ich dann über den roten Teppich laufen und jubeln! Geschafft!

Ich bin stolz! 🙂

 

Danke an meinen Trainer Philipp, dass du an mich geglaubt hast und Danke an meine Familie und meinen Freund, die mich und meine verrückten Vorhaben immer wieder unterstützen. 🙂

 


 

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