Meine Mentaltrainerausbildung / Interview mit Coach Harald Pachner

HalliHallo meine Lieben! 🙂
Heute habe ich wieder ein spannendes Interview für euch. Seit ich von meiner Mentaltrainerausbildung berichtet habe, kommen immer wieder Fragen dazu, die ich hier gleich beantworten möchte. Interviewt habe ich Harald Pachner, den Leiter und Geschäftsführer des GESU Instituts. Im Interview erfährt ich einiges über ihn und ein bisschen über die Themengebiete, die wir in der Ausbildung besprochen haben. 🙂

Schnelle Infos zur Mentaltrainerausbildung:

  • Ausbildungsort:  GESU Institut in Graz (Möglichkeiten auch in Wien und auf Lanzarote)
  • Zeitaufwand: 1 Semester, 4 Wochenenden FR-SO.
  • Zusätzlich: insg. 3 Treffen mit ein paar Leuten aus der Ausbildung, um gemeinsam eine Aufgabe zu machen.
  • Schreiben einer Diplomarbeit.

Ich bin super zufrieden mit der Ausbildung und konnte viel Neues lernen und mich in den Themen, über die ich bereits hier am Blog geschrieben habe, noch mehr vertiefen. 🙂

 

Interview mit Mentaltrainer Harald Pachner

über die Erfülltheit und glücklich sein, Erfolgsfaktoren der Profisportler und einfache Tools im Mentaltraining

Harry ist ehemaliger ÖSV Nationalkaderläufer und Jun. Vize-Weltmeister im Super-G, staatl. geprüfter Trainer und Trainer für den Steirischen Skiverband. Als Trainer ist Harald Pachner für den steirischen Skiverband tätig gewesen und betreut national sowie auch international tätige Firmen und Sportler im Hochleistungsbereich, wie beispielsweise DM Drogerie Markt GmbH und Mercedes AMG – DTM Team.

Hier kannst du dir den Podcast dazu anhören:

Harry, wer hat dich in deiner Kindheit beeinflusst?

Mich hat wohl mein gesamtes Umfeld sehr beeinflusst. Beim Skifahren, vor allem schon in jungen Jahren, hat mich Hans Knaus beeinflusst, da wir immer wieder wertvolle Tipps von ihm bekommen haben. Zudem war auch einer meiner besten Freunde, Stefan Görgl, ein großer Einflussfaktor, denn wir haben uns immer gegenseitiges Feedback gegeben und unterstützt. Doch, auch wenn es abgedroschen klingen mag, so hat mich das Leben selbst beeinflusst. Ich wollte verschiedene Dinge immer wieder verbessern, schon als Kind, doch es hat nicht immer ganz geklappt. Generell gab es immer wieder verschiedene Stationen mit verschiedenen Einflussfaktoren.

Was wolltest du konkret verbessern?

Ich wollte Dinge in meiner Familie ändern und dass manches einfach anders behandelt wird. Ich habe ständig nach Lösungen gesucht, doch dabei auch gemerkt, dass das Kämpfen, nicht immer die beste Lösung ist. Vor allem konnte ich nicht verstehen, warum manche Dinge so sind, wie sie sind. Warum funktioniert etwas manchmal und warum manchmal nicht? Zudem wollte ich immer besser und besser werden und auch besser sein als andere. Leider führte das nicht zum Ziel, sondern ich wurde verkrampft – mir fehlte die Gelassenheit.  Das wurde dadurch auch verstärkt, dass ich eine sehr perfektionistische Ader habe. Irgendwann merkte ich, dass ich nicht nur stur gerade, sondern auch neu denken kann. Ich musste wo anders suchen.

Wie bist du dann vom Perfektionismus etwas weggekommen und wie bist du lockerer geworden?

Das Wort „Gelassenheit“ war für mich anfangs negativ behaftet. Wie konnte ich gelassen sein, wenn ich ein guter Ski-Rennläufer werden möchte? Ich habe mit diesem Ausdruck eher Leute, die wenig tun, in Verbindung gebracht, doch das war falsch. Verschiedene Bücher haben mir dabei geholfen offener zu werden und meine Sichtweise zu verändern. Dadurch habe ich gecheckt, dass mir Gelassenheit einen Benefit für meine sportlichen Leistungen liefert. Dann wollte ich mit Hartnäckigkeit, gelassen werden, was ja leider ein bisschen ein Widerspruch war (lacht).  Erst dann wurde mir bewusst, dass man es nur nutzen kann, wenn man es lebt. Ich lernte von meiner vorigen Denkweise und von meinem vorigen Konzept loszulassen und habe nicht nur gewusst, dass ich gelassen sein soll, sondern sondern habe zum ersten Mal gecheckt, was es heißt Gelassenheit zu leben.

Wer hat dich am meisten inspiriert?

David R. Hawkins ist für mich eine große Inspiration in der Bewusstseinforschung. Ich habe schon viele Bücher über’s Mentaltraining gelesen, doch er liefert wirklich eine konkrete Wissensvermittlung und ich habe sehr viele Antworten, die auch sehr tiefer gehen, gefunden. Ich bin nämlich immer sehr an dem „Warum“ dahinter interessiert. Warum funktioniert etwas? Warum performt man, warum nicht? Es zählt vielleicht nicht unbedingt zur Einstiegsliteratur, doch das Buch, Die Ebenen des Bewußtseins, ist sehr empfehlenswert, wenn man offen für solche Dinge ist.

Was hast du am meisten aus diesem Buch mitgenommen?

Wir steuern durch unser Bewerten unsere Wahrnehmung. So wie du die Welt erlebst, hat am meisten mit deiner eigenen Sichtweise auf die Welt zu tun. Jeder nimmt die Welt anders wahr, es kommt sehr darauf an, was wir uns selbst einreden und was wir für Konzepte in uns drinnen haben. Ich lernte dadurch auch nicht zu streng mit sich selbst zu sein.  Ein Experiment dazu wäre ein persönliches Ereignis mal ganz anders zu betrachten. Einfach mal einen friedvollen Blick auf die Situation werfen und weniger zu bewerten. Mal das große Ganze sehen. „Ok, es ist so passiert – Aber warum ist das so passiert?“ Wenn wir mehr Verständnis für die Zusammenhänge aufbringen, verändern sich auch die Dinge. Ich muss nicht immer auf jeden Inhalt reagieren. Wie ist es überhaupt dazu gekommen? Mehr hinterfragen. Neue Sichtweise – Die Sache aus den Augen des anderen zu betrachten.

„Im Leben gibt’s nie mehr zu holen, als eine erfüllte Gegenwart. Unabhängig von der Zukunft, unabhängig vom Ergebnis sein – das ist Erfüllung.“

 

Wie kann man das schaffen, dass man nicht vom Ergebnis abhängig ist?

Es gibt verschiedene Ideen dazu. Zum einen kann man mal versuchen, eine neue Sichtweisen einzunehmen, die Dinge, aus den Augen einer anderen Person zu betrachten. Durch die rein subjektive Sichtweise ist man tendenziell unzufriedener, weil man alles auf die eigene Person bezieht und die Basisfunktion des Verstandes ist es, die Welt für die Person verbessern zu wollen. Das ist grundsätzlich O.K., psychologisch gesehen schleicht sich dadurch aber auch eine tendenzielle Unzufriedenheit ein, die der Mensch zu Beginn seiner Reise gut brauchen kann um Antrieb für Veränderung zu haben. Irgendwann ist der Mensch aber bereit zu viel besser geeigneten Motivatoren zu greifen.

Neutralität zum Beispiel. Verständnis zum Beispiel. Das führt zu viel höheren Performances, da der Mensch viel freier und unabhängiger von Ergebnissen wird und nicht länger die Welt rund um sich verurteilen muss um sich selbst zu spüren. Auch Dankbarkeit ist hier eine große Kraft. Wofür bin ich eigentlich dankbar? Was ist denn jetzt schon lässig an meinem Leben? Das fördert den neutralen und positiven Blick auf die Gegenwart.

Als dritten Punkt kann ich mein Level an Erwartungen senken. Ich war immer mit vielen Dingen unglücklich, doch wer sagt eigentlich, dass ich erst dann glücklich sein kann, wenn ich XY erreicht habe? Das hat mir eigentlich nie wer befohlen, das steckt irgendwie in der Kultur und dann denkt man sich sein eigenes Konzept dazu aus. Ich hatte mir meine Latte so hoch gelegt, dass ich das alles gar nie hätte erreichen können. Es muss aber nicht sein, dass die Latte dementsprechend hoch liegt, dass sich fast das ganze Leben unter der Latte abspielt, dann ist nämlich fast das komplette Erleben unerfüllend. Wenn ich jedesmal das schönste Wetter erwarte, das beste von meinen Mitmenschen und von meinen Beziehungen, dann wird das nicht so oft vorkommen, weil jeder seine eigene Lerngeschwindigkeit hat. Wenn ich die Latte tiefer lege, kann ich trotzdem voll Gas im Leben geben, ich bin nur nicht mehr so abhängig vom Verhalten der Welt rund um mich.

 

Mittlerweile bist du der Mentaltrainer des Mercedes DTM-Team. Was macht dir an der Arbeit am meisten Spaß?

Ich hatte vor kurzem die Gelegenheit mal mit deinem DTM Auto (bis zu 270km/h) mitzufahren und das war wirklich sehr beeindruckend! Für mich ist es sehr schön, wieder im Rennsport aktiv zu sein. Das Arbeiten mit den Athleten sehe ich weniger als klassisches Coaching, sondern auch als Austausch mit intensiven Gesprächen. Ich kann mich mit Weltklasse Athleten austauschen und wir können von einander lernen.

Was machen die besten Sportler anders?

Nach dieser Antwort wird wohl oft gesucht (lacht). Bin da immer sehr vorsichtig, denn es gibt so viele verschiedene Persönlichkeiten, die an der Weltspitze sind. Die einzige Gemeinsamkeit, die ich gefunden habe ist, dass für diesen Sportler die Zukunft nicht so wichtig ist, denn die Gegenwart hat mehr Bedeutung. Natürlich muss man an die Zukunf planen, um die Rennen und Flüge buchen und planen zu können, doch sie haben eine Selbstsicherheit in sich, so dass das Ergebnis in der Zukunft nicht so viel Bedeutung hat. Wenn diese Kontrollsucht der Zukunft gegenüber wegfällt, dann kommt die Liebe zur Bewegung zur Tätigkeit in den Vordergrund. Anders ausgedrückt: Wahres Selbstvertrauen hat nichts mit Aufgeblasenheit oder Narzissmus zu tun, sondern mit Angstfreiheit der Zukunft gegenüber. Der selbstbewusste Fußballer legt den Ball am Elferpunkt auf und kann sich deshalb voll in die Tätigkeit hineinentspannen, weil er keine Angst vor der Zukunft hat, auch nicht vor dem Danebenschießen. Das ist Freiheit, das ist Stärke.

 

Stell dir vor, alles was du je geschaffen hast, existiert nicht mehr. Man kennt deine Titel nicht, weiß nicht, was du alles erreicht hast und man weiß nichts von dir. Welche Weisheiten würdest du nun auf ein leeres Blatt Papier schreiben?

„I hab mei ganzes Leben dafür verwenden, das eigene Leben und unsere Perfomance zu erforschen. Und es stimmt wirklich, die größte Kraft liegt in uns selbst.“

 

 

Mehr Infos zum GESU:

 

*In Kooperation mit dem GESU- Institut.

 

4 Kommentare
  • finja
    Kommentiert am 16 September um 12:07 Antworten

    Herzlichen Glueckwunsch zu dem Diplom, das kling wirklich nach einer interessanten Fortbildung! Ich muss mal schauen, ob es sowas auch bei uns in UK gibt. Klingt auf jeden Fall sehr spannend. Und danke auch zu dem Tip mit David R. Hawkins zum Thema Consciousness, werde mir mal bei YT ein Video dazu anschauen.
    GLG, Finja | http://www.effcaa.com

  • Mirjam
    Kommentiert am 16 September um 13:03 Antworten

    Danke Klara für das Interview. War wirklich gut zu lesen und die Inputs von Harald Pachner waren inspirierend. Ich bin sehr gespannt, was uns auf deinem Blog zum Thema Mentailtraining noch erwartet! 🙂

    Liebe Grüße,
    Mirjam

  • ASK
    Kommentiert am 19 September um 12:10 Antworten

    Glückwunsch zum Diplom! Muss echt Spaß gemacht haben. Über Mentaltraining in Bezug auf Sport habe ich noch nie etwas gehört aber so kann man eben dazulernen! Wünsche dir weiterhin viel Erfolg und Glück. Das Interview war sehr lesenswert.

    Viele Grüße
    Michael

  • Lieblingsblogs Folge 87 - Coffee & Chainrings
    Kommentiert am 27 September um 20:15 Antworten

    […] Fuchs ist jetzt Mentaltrainerin. Herzlichen Glückwunsch, in ihrem Artikel zum Diplom führt sie u.a. ein Interview mit Harald Pachner (Mental Trainer Mercedes DTM Team) mit der Frage, was erfolgreiche Sportler anders […]

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